»Der Erhalt einer aktiven Landwirtschaft ist unsere Herausforderung!«

Im Jahr 1995 wurde in Zell die Interessensgemeinschaft der Zeller Bauern gegründet, um sich gemeinsam auf den Beitritt Österreichs zur EU vorzubereiten und sich den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen zu stellen. »Für die Landwirtschaftlichen Betriebe mit Fleischverarbeitung zeichneten sich damals starke Veränderungen und Verschärfungen im Bereich der Lebensmittelhygiene ab. Es waren große Investitionen für die einzelnen Betriebe zu erwarten, die zum Teil nicht realisierbar gewesen wären. So entstand die Idee gemeinsam ein Wirtschaftszentrum mit eigenem Schlachthof, Zerlege-, Verarbeitungs- und Kühlräumen zu bauen«, erzählt Nanti Olip, Sprecher der Zeller Bauern. Gesagt, getan. In einem der ersten EU-Projekte zur Stärkung des ländlichen Raumes im Grenzgebiet zu Slowenien wurde die Finanzierung des Baues gesichert und binnen von zwei Jahren wurde das Zentrum mit enormer Eigenleistung der Zeller Bauern errichtet und in Betrieb genommen. Nach nun mehr als zwanzig erfolgreichen Betriebsjahren ist es aus dem bäuerlichen Alltag in Zell nicht mehr wegzudenken. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, das auch heute noch die Bauern eint und ihnen wirtschaftliche Vorteile bringt. Die vielen kleinen Bergbauernhöfe konnten die Direktvermarktung ihrer Produkte erhalten und teilweise sogar ausbauen. »War es früher üblich, dass jeder Betrieb für sich die Schlachtung und Verarbeitung organisierte, erleben wir heute immer öfter, dass die einzelnen Betriebe kooperieren. Es wird gemeinsam geschlachtet und zerlegt. Dadurch ist der Aufwand geringer und es ist auch geselliger«, erzählt Nanti aus dem Alltag. Zusätzlich bietet der Wirtschaftshof Räumlichkeiten, die den Mitgliedern der Interessensgemeinschaft und anderen Interessierten zur Verfügung stehen. Neben Vereinsveranstaltungen finden hier regelmäßig auch Geburtstagsfeiern oder Feste statt und so war der Wirtschaftshof bereits zweimal Austragungsort des „Südkärntner Bauernfestes“ mit mehreren Hundert Besuchern. Natürlich hat der landwirtschaftliche Strukturwandel auch vor Zell nicht Halt gemacht. »Einige Betriebe haben in den letzten Jahren ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten eingestellt. Es ist aber gelungen, die Flächen durch Verpachtung weiter zu bewirtschaften und somit unsere einzigartige Kulturlandschaft zu erhalten«, erzählt Nanti Olip. Auch zukünftig wird die Landwirtschaft in Zell eine zentrale Rolle spielen und es zeichnet sich bereits ein Generationswechsel ab. »Die Erhaltung unserer aktiven Betriebe wird die große Herausforderung für uns sein. Dazu braucht es eine gute Vermarktungsstrategie für unsere hervorragenden Produkte. Möglichkeiten zur Erweiterung unseres Angebotes gibt es viele. Zum Beispiel haben wir keinen einzigen Milcherzeuger oder Milchverarbeiter in Zell. Weder Kuh-, Ziegen- oder Schafmilchprodukte gibt es bei uns zu kaufen, obwohl eine starke Nachfrage zu verzeichnen ist. Eine weitere wichtige Rolle könnte der Holzverarbeitung zukommen, da wir Holz bester Qualität haben. Unser Augenmerk muss auf die junge Generation gerichtet sein und auch zukünftig könnten wir gemeinsam stark sein«, blickt Nanti innovativ in die Zukunft.